Gasanbieter wechseln
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Von 1998 bis 2006: Über eine Geschichte des Misserfolgs
Im Jahr 1998 wurde der deutsche Energiemarkt liberalisiert. Die Konzerne ging von öffentlicher in private Hand über. Dadurch, dass es den Kunden gestattet werden sollte, den Versorger zu wechseln, erhoffte sich die Politik mehr Konkurrenz und sinkende Preise. Von Anfang an gab es allerdings bei der Liberalisierung der Gasanbieter Schwierigkeiten. Bis ins Jahr 2006 wurde den Kunden nicht erlaubt, ihren Lieferanten zu wechseln.
Die privatisierten Konzerne nutzten dies aus und drehten heftig an der Preisschraube. Beim Bundeskartellamt hagelte es Missbrauchsbeschwerden. Dieses bot den Gasanbietern im Jahr 2006 einen Deal an: Sie sollten ihre Kunden vom 1. April an wechseln lassen, dafür werde man die Beschwerden nicht verfolgen. Die Anbieter akzeptierten, aber tatsächlich war kein Unternehmen am Stichtag in der Lage, Kunden, die nicht aus seiner klassischen Versorgungsregion stammten, mit Gas zu beliefern. Die ersten Wechsel gab es deshalb erst im April. Bis heute wird die Liberalisierung des deutschen Gasmarktes daher als Aprilscherz bezeichnet.
Möglichkeiten der Verbraucher beim Wechsel
Die Serie der Pleiten, Pech und Pannen bei der Liberalisierung schürte große Ängste in der deutschen Bevölkerung. Die Menschen in der Bundesrepublik gelten ohnehin als überaus zögerlich, wenn es darum geht, Versorgungsunternehmen zu wechseln (nur etwa 50 Prozent beschäftigen sich überhaupt mit diesem Gedanken). Bei den Gasanbietern sind die Deutschen aufgrund der Probleme der Anfangszeit innerlich noch weiter auf Distanz zu der Idee gegangen, den Anbieter zu wechseln. Es besteht eine grundlegende Furcht davor, dass es zu Ausfällen in der Gasversorgung kommen könnte. Dabei ist diese Angst unbegründet. Es ist gesetzlich festgelegt, dass eine ununterbrochene Gasversorgung gewährleistet sein muss.
Auch ansonsten ist der Wechsel für die Verbraucher wesentlich einfacher geworden. Über das Internet können sich die Menschen informieren, welche der ca. 700 Anbieter in der Bundesrepublik ihren Heimatort beliefert und dort auch gleich Preise vergleichen. Online kann man außerdem schnell und direkt (dies geht natürlich auch postalisch oder telefonisch) den Wechsel beantragen. Die Umsetzung dauert vier bis sechs Wochen. Dabei wechselt man zwar den Anbieter, nicht jedoch den Netzlieferanten. Für den Endkunden ist dies vorteilhaft, denn deshalb muss nicht einmal der Gaszähler im eigenen Haushalt getauscht werden.
Wissenswertes
Die Gaspreise in Deutschland sind anders, als beispielsweise die Strompreise, nicht nur dem Geschehen auf dem deutschen Markt unterworfen. Zum einen gibt es die sogenannte Ölpreis-Bindung, nach der Gaspreise sich gleichsam wie Ölpreise entwickeln. Außerdem stammen nur elf Prozent des hierzulande verbrauchten Gases aus eigener Förderung. 60 Prozent kommen dagegen aus Norwegen und Russland. Erhöhen diese Länder die Preise, wirkt sich das auch auf die Kosten für den Endverbraucher aus. Etwa ein Viertel aller Haushalte wird mit Gas beheizt.